Wenn alle Autos bereits E-Autos wären …

In Deutschland ist der Verkehrssektor nach der Energiewirtschaft und dem Industrie mit rund 20 Prozent CO2-Ausstoß (2019) der drittgrößte Verursacher von Treibhausgasemissionen. Den weitaus größten Teil (94 Prozent) der Verkehrsemissionen verursacht der Straßenverkehr. Für etwa 59 Prozent davon sind Benzin- und Diesel-Pkw verantwortlich. 2019 waren 47,7 Mio. Pkw angemeldet – davon 66 Prozent Benziner, 32 Prozent Diesel, zwei Prozent mit alternativen Antrieben. Die Bundesregierung will den Anteil der Fahrzeuge mit elektrischen Antrieben steigern, um damit die CO2-Emissionen zu reduzieren und die Klimaziele zu erreichen. Man kann nun fragen:

„Was wäre, wenn über Nacht durch ein Wunder alle 48 Mio. Autos in Deutschland durch Elektroautos mit gleicher Fahrleistung und vergleichbarem Komfort ersetzt würden?“

Welche Auswirkungen hätte das

  • auf den Verbrauch an fossiler Energie in Deutschland und
  • in welchem Umfang würden die klimaschädlichen CO2-Emissionen sinken?

Doch ist die Hoffnung auf die Vorteile der E-Mobilität gerechtfertigt? Das ist die spannende Fragestellung, die wir hier untersuchen werden. Durch das E-Auto kommt es zu einer starken wechselseitigen Abhängigkeit zwischen den beiden Bereichen Mobilität und Stromversorgung. Deshalb betrachten wir diese beiden Bereiche gemeinsam.

Wir ermitteln die CO2-Emissionen für folgende sieben Situationen:

2020 – 48 Mio. Verbrenner, Stromerzeugung und CO2-Emissionen

2021 – 48 Millionen Verbrennern werden durch gleichwertige E-Autos ersetzt

2023 – Alle Kernkraftwerke gehen vom Netz

2030 – Die Erneuerbaren erreichen 65% an Stromerzeugung

2030 – Nur 10 Millionen Verbrenner werden auf E-Autos umgestellt

2030 – Alles zurück. Es fahren wieder 48 Mio. Verbrenner

2030 – 30 % weniger Autos und 30% sparsamere Autos

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48 Mio. Verbrenner werden über Nacht zu E-Autos

Die 48 Mio. Autos fahren jetzt elektrisch und aus ihren Auspuffen kommt kein CO2 mehr. Der direkte CO2-Ausstoß des Pkw-Verkehrs sinkt auf Null. Allerdings benötigen die E-Autos eine Strommenge von 134 Mrd. kWh. Diese Energie wird durch fossile Kraftwerke bei einem durchschnittlichen spezifischen CO2-Emissionsfaktor von 1,030 kg/kWh bereitgestellt.

Die Emissionen aus Stromerzeugung und Pkw-Verkehr sind durch den Wechsel zum E-Auto gestiegen und betragen im Jahr 2021 324 Mio. Tonnen CO2. -Eine Enttäuschung für alle, die sich vom E-Auto weniger CO2-Emissionen erhoffen.

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Ergebnisse der 7-Modellberechnungen

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Das Fazit aus den 7 Modellberechnungen

Die Berechnungen zeigen, dass durch die Umstellung aller Verbrenner auf E-Autos die CO2-Emissionen steigen würden. Der Atomausstieg in 2022 aus der Stromversorgung müsste durch mehr fossile Energie und damit höheren CO2-Emissionen kompensiert werden.

Selbst wenn die Energie aus Erneuerbarer Energie wie geplant anstiege, wäre die Belastung durch CO2 höher als im Basisjahr 2020. Viel spricht dafür, dass im Jahr 2030 noch rund 300 Millionen CO2 von den beiden Sektoren Strom und Pkw-Verkehr in die Atmosphäre geblasen werden. Das ist mehr als im Jahr 2020.

Das Elektroauto wird auf absehbare Zeit zu keiner Reduktion der CO2-Emissionen führen.

Die Studie von Helmut Zell: „Was wäre, wenn 2021 alle Autos durch Elektroautos ersetzt würden?“ kann hier kostenlos geladen werden.

Was man sich als Ergebnis merken kann

E-Autos werden auf absehbare Zeit nicht mit grünem Strom, sondern mit Gas- und Kohlestrom fahren. Damit bezieht ein E-Auto Strom mit einer CO2-Emission von etwa 800 bis 1000 Gramm pro kWh.

Ein E-Auto verbraucht ungefähr 20 kWh pro 100 Kilometer (die Verbrauchsanzeige des Autos zeigt einen niedrigeren Nettowert), was zu CO2-Emissionen in Höhe von etwa 20 Kilogramm führt.

Ein Dieselauto, das 6 Liter verbraucht, stößt rund 15 Kilogramm CO2 auf 100 km aus. Das ist rund 25 % weniger als ein E-Auto.

In seiner gesamten Lebensdauer und bei einer Fahrleistung von 200.000 km stößt ein E-Auto somit rund 40 Tonnen CO2 aus. Das sind etwa 25 % mehr CO2-Emissionen als ein vergleichbares Dieselauto. (Obige Analyse betrachtet nicht die CO2-Emissionen, die bei der Herstellung und Entsorgung der Fahrzeuge anfallen. Sie sind bei E-Auto deutlich höher als bei Verbrennern und müssten bei einer Gesamtbetrachtung mit einbezogen werden.)

Erst wenn der Anteil Erneuerbarer Energie an der Stromversorgung deutlich höher wäre, könnte die Einführung von E-Autos eine positive Wirkung auf das Klima haben.

Das E-Auto ist unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht geeignet, um einen Beitrag gegen den Klimawandel zu leisten. Wirksamer wären Maßnahmen: weniger, kleinere und energieeffizientere Fahrzeuge, fast egal ob Verbrenner oder E-Autos. Wichtig auch: weniger Fahrten, guter ÖPNV und andere nachhaltige Formen der Mobilität.